Freiräume
6. Semester · 04.–08.2026
Sophie Heinrich und Sophie Otte
Professur für Denkmalpflege
Das frühere Stadtbad am Rand der Glauchauer Altstadt steht schon lange leer. Die Idee für den Entwurf entstand, nachdem der denkmalgeschützte Kopfbau bewertet worden war. Außerdem wurden die aktuellen Bedürfnisse der Stadt analysiert. Grundlage dafür waren Interviews mit Menschen aus der Jugendarbeit, der Kultur und der Nachbarschaft. Der Entwurf nimmt die soziale Bedeutung des Stadtbads wieder auf und betont als denkmalpflegerische Haltung bewusst im Wandel der Zeit entstandene Leerstellen. Er sieht diese Leerstellen nicht als Defizit, sondern als wichtigen Teil der Geschichte des Denkmals, der nicht kaschiert werden soll. Darin sieht er eine Möglichkeit, das Denkmal und die Erinnerungen zu bewahren.
Neue Kieswege verbinden die Zwickauer Mulde im Westen mit der südlich gelegenen Altstadt. So knüpft das Grundstück an die Pläne für den westlich gelegenen Mehrgenerationenpark an. Die Landschaftsplanung übernimmt ebenfalls die Parkpläne und ergänzt sie. Deshalb sind keine neuen Sportflächen vorgesehen, sondern vor allem die Schaffung von Naturflächen. Gesunde Bäume des Grundstücks werden erhalten und es entstehen biodiverse Naturwiesen. Die Fläche der alten Schwimmhalle bleibt bewusst frei. Stattdessen gibt es dort einen leicht abgesenkten Bereich. Zwei Sitzstufen markieren die Konturen des früheren Beckens und bieten Platz zum Sitzen, Verweilen sowie für Veranstaltungen. Die Leerstelle wird bewusst zu einem Freiraum.
Die Klinkerfassade und die originale Keramik im Inneren bleiben im Rahmen des Sanierungskonzepts erhalten. Der Bestand wird durch den Einbau einer Flächenheizung in die sanierten Terrazzoböden sowie eines Lüftungssystems saniert. So wird das Gebäude vor weiteren Feuchtigkeitsschäden geschützt. Neue Elemente aus hellem Holz setzen gezielt sichtbare Akzente und machen die Veränderungen lesbar.
Das Nutzungskonzept kombiniert verschiedene Angebote, um Zusammenkünfte verschiedener Gruppen zu fördern. Die Bedarfsanalyse zeigt, dass informelle Treffpunkte für Jugendliche derzeit besonders wichtig sind. Im gesamten Erdgeschoss entsteht ein selbstverwalteter Jugendtreff. Dort gibt es Raum für jugendliche Gemeinschaft, eigene Ideen und selbstbestimmte Aktivitäten. In den oberen Etagen entstehen Mieträume für soziale Anlaufstellen, Werkstätten sowie zeitweise nutzbaren Wohnraum als Ergänzung.
Im Südwesten entsteht ein neuer Veranstaltungsbau mit einem Saal von 100 m². Der Saal kann zur abgesenkten Freifläche hin geöffnet werden. So werden Innen- und Außenbereiche zu einem flexiblen Raum für mittelgroße Veranstaltungen. Die Rückfassade des Bestands erhält die gleichen Materialien wie der Neubau, einschließlich des transluzenten Panelsystems. Dadurch werden die Eingänge zum Café sowie an der Gebäudemitte hervorgehoben. Veranstaltungen können sich flexibel auf die Freifläche ausweiten – unabhängig von den beiden Gebäuden.






